Warum soll man sich zu der Umsatzsteuer in PL registrieren bevor man der FBA Lagerung in PL zustimmt?

June 1, 2018

Es kommt oft vor, dass die deutschen Amazon Händler der FBA Lagerung in Polen zustimmen, ohne in Polen zu der Umsatzsteuer registriert zu sein. Eine solche Situation kann zu der Besteuerung der ansonsten steuerfreien Transaktionen oder zu der doppelten Besteuerung derselben Transaktionen führen. 

 

 

Sehr oft wenden sich Amazon Händler an mich, die der FBA Lagerung in PL zugestimmt haben, ohne sich über die steuerlichen Auswirkungen Gedanken zu machen. Nicht selten werden die Lieferungen über das Lager in Polen über viele Monate ausgeführt, ohne in Polen zu der Umsatzsteuer registriert zu sein.

 

Solange das polnische Finanzamt keine Informationen über die Transaktionen von Amazon verlangt, können sich auch die Amazon Händler „straffrei“ fühlen. Man darf aber nicht vergessen, dass die polnischen Behörden fünf Jahren (ab Ende des Kalenderjahres, in dem die Steuerpflicht entstand) haben, um die steuerlichen Abrechnungen zu prüfen. Das bedeutet, dass man mit einer Betriebsprüfung für 2018 bis zum Jahre 2023 rechnen muss.

 

Und die Risiken, die mit einer versäumten VAT Registrierung zusammenhängen, sind nicht zu unterschätzen: eine solche Situation kann zu der Besteuerung der ansonsten steuerfreien Transaktionen oder zu der doppelten Besteuerung derselben Transaktionen führen.

 

Wofür braucht man die polnische USt-Nummer?

 

Um die Risiken der versäumten Registrierung in Polen besser zu verstehen, schauen wir uns die wichtigsten Transaktionen an, die die Amazon Händler über FBA Lager in Polen durchführen.

 

1) Die Lieferungen aus dem Warenhaus in Polen an das Warenhaus in Deutschland/Tschechien

 

Bei den Lieferungen zwischen den Warenhäusern in verschiedenen EU-Ländern handelt sich um reine Warenbewegung und die Amazon Händler häufig vergessen, dass eine solche Warenbewegung von dem Fiskus als eine Transaktion behandelt wird. Die sog. „innergemeinschaftliche Verbringung“ unterliegt der Besteuerung mit dem Satz 0%, vorausgesetzt, dass, unter anderem, der Unternehmer über die UStIDNr sowohl in dem Herkunftsland als auch in dem Bestimmungsland verfügt.

 

Zum Beispiel, werden die Waren aus dem polnischen Warenhaus an das deutsche Warenhaus versendet, so können diese Warenbewegungen nur dann mit dem Satz 0% besteuert, wenn der Händler über die UStID-Nummern sowohl in Polen als auch in Deutschland verfügt. Hat aber der Händler die Registrierung in Polen versäumt, so unterliegt diese Warenbewegung der Besteuerung in Polen, als ob es sich um einen inländischen Verkauf handelte. Im Standardfall bedeutet es, dass der Händler 23% Umsatzsteuer darauf schulden muss.

 

2) Die Lieferungen aus dem Warenhaus in Polen an die Endkunden in Deutschland.

 

Bei den Lieferungen aus dem Warenhaus in Polen an den Endkunden in Deutschland wird meistens zu der Besteuerung in Deutschland optiert und somit werden solche Lieferungen in Polen überhaupt nicht erfasst. Wenn der Händler aber die Registrierung versäumt hat, dann hat er auch meistens keine Mitteilung über den Verzicht auf die Lieferschwelle abgegeben. Die Lieferungen von Polen an die Endkunden in Deutschland unterliegen demnach der Besteuerung in Polen (bis die Lieferschwelle von 100.000 EUR im Kalenderjahr erreicht ist - mehr über die Abgabe der Mitteilung über den Lieferschwellenverzicht finden Sie in diesem Beitrag). Im Standardfall bedeutet es, dass der Händler 23% Umsatzsteuer auf die Lieferungen an die Endkunden in Deutschland schulden muss (zusätzlich zu der in Deutschland geschuldeten Steuer).

 

Was soll man aber tun, wenn man bereits der FBA Lagerung in PL zugestimmt hat und ist noch nicht zu der Umsatzsteuer in Polen registriert?

 

Rückwirkende Registrierung

 

Wenn man der FBA Lagerung in Polen zugestimmt hat ohne sich vorher zu der Umsatzsteuer in Polen registrieren zu lassen, sollte man die Registrierung schnellstmöglich nachholen. Die Registrierung sollte rückwirkend spätestens ab dem Tag der ersten Lieferung an das Lager in Polen vorgenommen werden.

 


Autor: Magda Olszewska, Steuerberaterin [PL] 

E-mail: office@octc.pl

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